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Gibson Robot E-Gitarre

Gibson Robot E-Gitarre
December 4, 2007 1690 Views

Eine echte Stimmungskanone
Nicht nur Kunstliebhaber wissen: Der Ton macht die Musik. Ungetrübter akustischer Genuss wird uns nur da zuteil, wo wir nicht dauernd das bestimmte Gefühl haben: „Hier stimmt aber etwas nicht.“ Für Gitarristen hat darum das regelmäßige Nachstimmen ihrer Saiten schon immer zum guten Ton gehört. Und es ist zugleich eine ewige Herausforderung gewesen. Schließlich genügen winzige Temperaturschwankungen, etwas energischere Spieltechniken oder auch nur leicht verschwitzte Finger auf dem Griffbrett, um die exakte Stimmung des Instruments und damit die Harmonie empfindlich zu gefährden.
Die Ikone des mit verklärtem Gesichtsausdruck und schräg geneigtem Kopf lauschenden und sachte an den Mechaniken seines Instrumentes drehenden Gitarristen mag jedoch bald zur Vergangenheit gehören: Von jetzt an gibt es die gute Stimmung auf Knopfdruck. Am 7. Dezember bringt der renommierte Gitarren-Hersteller Gibson das Modell Silverburst auf den Markt. Und das hat es buchstäblich in sich: TronicalTune nämlich, ein Stück Technik mit dem umwälzenden Konzept, das Instrument sich selbst stimmen zu lassen – das Aus für allerlei Hilfsmittel und das Ende eines Albtraums für so manchen Musiker.

Ein zeitsparendes und befriedigendes Gefühl
Master Control Knob (MCK) heißt die Hauptkomponente des kleinen Wunderwerks, das der Deutsche Chris Adams entwickelt hat. Man betätigt den MCK, und das setzt sofort den Selbststimmungsprozess der Gitarre in Gang – einfach faszinierend. 2006 hat das Hamburger Unternehmen Tronical seine Erfindung zum ersten Mal auf der Musikmesse vorgestellt. Jetzt ist das System serienreif, und man bekommt es noch diese Woche endlich in die Finger: in der Robot-Gitarre von Gibson. Hat der Spieler das Programm TronicalTune mit dem Master Control Knob aktiviert, dann misst die Kontrolleinheit im Sattel, der sogenannten Tune Control Brigde, die aktuellen Tonhöhen der Saiten. Leichtes Anschlagen genügt. Aufgrund ihrer Aufhängung und feiner Keramikisolatoren kann dabei nicht nur jede Saite für sich geprüft werden, sondern die Saite selbst dient auch gleich als Verbindungskabel: Über sie werden die errechneten Veränderungswünsche zum Kopf der Gitarre und an die Mechaniken weitergegeben.

Hat den Dreh raus: Der Powerhead von Tronical

Diese heißen jetzt Powerheads. Sie wiegen – obwohl sie kleine Motoren enthalten – mit 46,5 Gramm weniger als viele herkömmliche Mechaniken und sorgen mit einem Dreh in Sekundenschnelle für die richtige Spannung der Saite. Eine unglaubliche Erleichterung ist das allemal. Und für Gitarristen, die gern offene Stimmungen benutzen (das sind die, die von der üblichen EADGHE-Stimmung abweichen), erweist sich TronicalTune als zeitsparendes und befreiendes Geschenk. Mit dem einen Knopfdruck kann man die gesamte Gitarre einen Halbton tiefer, auf klingend E-Dur oder eine beliebige Tonverteilung stimmen lassen. Zudem ist die Elektronik lernfähig und stellt sich im Lauf der Zeit auf die jeweilige Gitarre so ein, dass das Stimmen immer schneller geht. Auch wer seine Gitarre bundrein machen will, findet in TronicalTune einen praktischen Helfer.

Nur in limitierter Auflage
Spielt man die Saiten erst leer und dann im 12. Bund an, dann errechnet das System sofort, um wie viele Umdrehungen man den Sattel verstellen muss, um ein auf allen Bünden wohlklingendes Instrument zu erhalten. Aber damit noch nicht genug: Selbst das zeitaufwendige Aufziehen neuer Saiten erledigen die motorisierten Mechaniken ohne Handumdrehen. Klinkt man die neuen Saiten in die Powerheads ein, werden sie flink auf die Wirbel gedreht und gestimmt. Alle diese Vorgänge lassen sich mit Hilfe des MCK kontrollieren und werden von einem ausgeklügelten Blinklichtreigen begleitet, der anzeigt, was die Elektronik gerade tut. Sind alle Saiten auf der Höhe, leuchtet die Modefarbe Blau.

Gibson Guitar hat sich die Rechte gesichert und bringt die Robot-Technik nun zunächst in einer weltweit limitierten Auflage heraus: Übersichtliche 4000 Stück gibt es von der ersten Robot-Gitarre Silverburst (für Kenner: eine LesPaul), die neben der Selbststimmmechanik auch noch manch anderes schöne Detail mitbringt, wie zum Beispiel eine Nitrozellulose-Lackierung, die angeblich dem Klang sehr zugutekommt. Und, man staune: Die kleine Sensation, als Erstausgabe nur bei ausgewählten Händlern zu bekommen, kostet musikerfreundlich bloß 1895 Euro. Tja, nun gilt erst recht der markige Slogan von Gibson: „Du musst nur noch spielen.“

Quelle: F.A.Z., 04.12.2007, Nr. 282 / Seite T2